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Mitternachtssonne in Norwegen: Me-Time auf Talfahrt

Mein Zeit-für-mich-Konto ist auf Reisen nicht gerade gefüllt, in Norwegen ist es nun aber gänzlich auf 0 geschrumpft und das hat einen bestimmten Grund: die Mitternachtssonne.

Reisen mit Kind ist so schon nicht die beste Wahl, wenn man auf der Suche nach Zeit für sich selbst ist. Wenn man dann aber zusätzlich den Sommer in Norwegen verbringt, muss man schlicht und ergreifend etwas verrückt sein.

Blick von Balkon aus auf die Mitternachtssonne.

Der Sommer in Norwegen ist vor allem von einem geprägt: von der Helligkeit. In der Gegend, in der wir uns gerade befinden, hat der Tag im Juni fast 19 Stunden. Die Sonne geht gegen 22:30 Uhr unter und vollständig dunkel ist es erst um Mitternacht. Dann bleibt das für ganze drei Stunden so, bevor die Sonne gegen 03:00 Uhr morgens wieder aufgeht.

Dieses Phänomen beschafft uns nicht nur spektakulär lange Sonnenauf- und -untergänge, sondern irgendwie auch mehr Lebensfreude. Denn dass es so lange hell ist, beeinflusst vor allem die Stimmung. Man fühlt sich viel aufgeweckter und fitter, ist aktiver und benötigt weniger Schlaf. Für die Norweger ist das nach einem kalten, dunklen Winter eine wirklich schöne Zeit: Man sieht sie fast den ganzen Tag pfeifend im Garten herumwerkeln. Die Lebensfreude, die sie dabei versprühen, ist absolut ansteckend. Das ist eigentlich alles ganz toll, wäre da nicht dieses eine kleine Problem: Der Tag für Kinder ist ebenfalls verdaaaaaaaaaaaammt lang.

Rafael genießt die Mitternachtssonne wie ein echter Norweger, geht nach Mitternacht ins Bett und ist gegen 08:00 Uhr schon wieder auf den Beinen. Bereit für einen Tag voller Spiel, Spaß und Spannung – von Müdigkeit keine Spur. Eigentlich sollten Kleinkinder in diesem Alter doch an die 13 Stunden Schlaf benötigen. Wieso ist unser Kind plötzlich nur noch mit 10 Stunden Schlaf zufrieden? (Jeder, der Kinder hat, weiß, dass diese 3 Stunden wirklich heilig sind!)

Versteht mich nicht falsch, ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als mit meinem Kind den Tag zu verbringen, auf Reisen zu sein und ihm die Welt zu zeigen, aber irgendwann möchte doch jeder mal ein paar Minuten für sich. Einfach nur, um ruhig auf dem Sofa zu sitzen, die Musik zu hören, die man möchte oder Süßigkeiten zu essen, ohne sich verstecken zu müssen. Dinge, die Erwachsene eben so tun, wenn das Kind endlich mal im Bett ist. All das fällt für uns momentan komplett weg. Wir stehen alle zusammen auf und gehen auch alle wieder zusammen ins Bett.

Der Versuch, unseren Tagesrhythmus anzupassen

Natürlich haben wir auch schon öfters versucht, einfach noch eher als Rafael aufzustehen, um am Morgen noch ein paar Minuten für uns zu haben. Das sieht dann ungefähr so aus: Während man sich wie ein Ninja aus dem Schlafzimmer schleichen möchte, tritt man aus Versehen genau auf die Stelle im Boden, die ein Geräusch von sich gibt, als wäre man einer Katze auf den Schwanz gestiegen und das Kind wacht auf: mopsfidel und bereit den Tag noch früher anzufangen. Und das bedeutet dann nicht, dass es am Abend zeitiger ins Bett geht … nein! Das bedeutet, dass der Tag noch viel viel länger wird.

Mitternachtssonne in Norwegen

Gestern ist es dann passiert und wir konnten unser Glück kaum fassen: Rafael hat den Abend zuvor mal wieder die halbe Mitsommernacht durchgetanzt und ziemlich wenig Schlaf bekommen. Als ich mich dann früh aus dem Bett schleichen wollte, bin ich zwar am Slalom aus knarzenden Dielen und fiesen Legosteinen vorbei, hatte es aber immer noch nicht geschafft, diese blöde Schlafzimmertür zu ölen und iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiik. Rafael war wach, aber immer noch so müde, dass es schon nach kurzer Zeit einen Mittagsschlaf einlegen musste und abends schon 19:00 Uhr im Bett lag.

Als Max und ich mit unserem Freudentanz fertig waren, haben wir also das Kind-ist-im-Bett-die-Eltern-haben-frei-Programm gestartet, Essen bestellt und ein langes Bad genommen. Als wir gerade dabei waren, uns einen Film auf Netflix herauszusuchen, hat das Babyphone plötzlich aufgeheult. Rafael war wieder wach und konnte einfach nicht mehr einschlafen. Als ich ihn dann fragte, ob er aufstehen möchte, hüpfte er förmlich aus dem Bett, lief zielgerichtet ins Wohnzimmer und stürzte sich direkt auf das bestellte Essen, das auf dem Couchtisch drapiert war. Ok, also doch kein Netflix (und auch keine Netflix-Alternative), sondern eine 3-stündige Tanzparty zu „Der Sandmann ist da“. Danach fielen wir dann alle gegen 01:00 Uhr erschöpft ins Bett. Das war dann eigentlich doch noch ein richtig schöner Abend … noch 2 Stunden bis die Sonne wieder aufgeht.

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