Remote Work

Der komplette Remote Work Guide (für freiheitsliebende Angestellte und Freelancer)

Remote Work

Viele Menschen möchten nicht mehr Tag für Tag ins Büro fahren. SIe sehnen sich nach mehr Flexibilität, sowohl zeitlich als auch räumlich.  Vermutlich bist du einer von Ihnen, wenn du diesen Artikel liest. Ich arbeite seit einigen Jahren selbst remote und möchte dir einen Überblick darüber geben, was Remote Work, welche Vor- und Nachteile es gibt und wie es auch für dich funktionieren kannst.

Was ist Remote Work?

Remote Work bezeichnet Arbeit, die nicht in einem herkömmlichen Büro stattfinden muss, sondern von überall aus erledigt werden kann. Die Basis für diese Arbeitsform ist das Internet, welches das Unternehmen, das remote arbeitet, und seine Mitarbeiter miteinander verbindet. Remote Work kannst du also z. B. sowohl von deiner Couch aus als auch im nahgelegenen Starbucks nachgehen. Dabei unterscheidet man jedoch zwischen vollständig ortsunabhängigen Jobs (quasi fünf Arbeitstage pro Woche) und solchen, bei denen der Arbeitgeber einen bis vier Remote Arbeitstagen pro Woche erlaubt.

Buffer hat hierzu eine interessante “Remote Working Scale” erstellt. die diese Kategorien nochmals unterteilt:

Remote Work Buffer

(Quelle: Buffer)

Remote arbeiten: wie funktioniert das?

Wenn du remote arbeiten möchtest, ist das schon der erste wichtige Schritt, der für dieses Abenteuer notwendig ist. Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen und die ich im Folgenden näher beschreiben möchte. Sie sind dabei nach der (subjektiven) Relevanz geordnet.

Arbeitgeber

Die erste Voraussetzung ist logischerweise ein Arbeitgeber, der Remote Work positiv gegenüber steht. Das bedeutet, dass das Unternehmen aktiv daran arbeiten muss, eine Remote-Kultur zu schaffen. Selbstverständlich ist es großartig, wenn Unternehmen Remote Jobs ausschreiben. Im nächsten Schritt muss die Firma jedoch auch auf eine ortsunabhängige Zusammenarbeit ausgerichtet sein. Wenn du also nach Jobs suchst, informiere dich auch über die Werte deines potentiellen Arbeitgebers und versuche, Erfahrungsberichte von Mitarbeitern zu finden, die dort ebenfalls remote arbeiten..

Mindset

Der nächste wichtige Punkt auf der Liste ist dein Mindset. Bist du bereit für einen Remote Job? Es ist klasse, dass du dich dafür interessierst, remote zu arbeiten. Nun geht es darum, ein besseres Gefühl für einen potentiellen Remote-Arbeitsalltag zu erhalten. Fragen, die du dir stellen kannst, sind z. B.:

  • Bin ich der Lage, mich selbst zu managen und unabhängig zu arbeiten?
  • Bin ich fähig, Ablenkungen zu widerstehen?
  • Bin ich auf (physisch anwesende) Kollegen angewiesen?
  • Ist es okay für mich, mit Kollegen per Chat/Video-Chat kommunizieren?
  • Kann ich mich selbst motivieren, Deadlines einzuhalten?

Im Endeffekt musst du für dich klären, ob diese Arbeitsform wirklich mittel- oder langfristig für dich funktioniert.

Team

Neben dir selbst und deinem Arbeitgeber ist es natürlich auch entscheidend, ein Team um sich zu haben, das die selben Werte teilt. Generell ist dies jedoch schon dadurch gegeben, dass der Arbeitgeber nach Personen sucht, die bereits Remote Work-erprobt oder äußerst motiviert sind, ortsunabhängig zu arbeiten.

Tools

Damit die Zusammenarbeit im Team gelingt, ist es außerdem wichtig, die richtige Software zu nutzen, um optimal miteinander arbeiten zu können. Dazu gehören z. B. Instant Messaging-Software wie Slack, Videokonferenz-Software wie Google Hangouts oder Projektmanagement-Software wie Asana. Die Auswahl der Tools muss höchst individuell geschehen und auf das Unternehmen und deren Prozesse angepasst sein. 

Equipment

Zu guter Letzt solltest du sicherstellen, dass dein technisches Equipment darauf ausgelegt ist, remote arbeiten zu können. Das klingt jetzt hochtrabender als es ist. In meinen Augen sind vor allem diese beiden Dinge essentiell:

  • Schnelles Internet
  • Leistungsfähiger Computer mit Webcam

Alles andere (wie z. B. Noise-Cancelling-Kopfhörer oder ein zweiter Bildschirm) sind Dinge, die im nächsten Schritt deine Produktivität erhöhen können, jedoch nicht zwingend erforderlich sind, um remote arbeiten zu können.

Vorteile und Nachteile von Remote Work

Remote Work bietet (wie so vieles im Leben) sowohl Vor- als auch Nachteile. Deshalb möchte ich mir im Folgenden einmal ansehen, welche Dinge für ortsunabhängiges Arbeiten und welche dagegen sprechen.

Vorteile von Remote Work

In meinen Augen überwiegen die Vorteile von Remote Work, weshalb es auch meine präferierte Arbeitsform ist.

Räumliche Flexibilität

Alles, was du benötigst, um remote zu arbeiten, ist ein Computer und Internet. Das bedeutet auch, dass du räumlich sehr flexibel bist. Du kannst von deiner Couch, einem Co-Working Space oder auch einem Café in Paris aus arbeiten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich sehr frei anfühlt und einem leicht die Möglichkeit gibt, neue Länder zu entdecken, aber seinen eigenen Tagesplan flexibel zu halten.

Zeitliche Flexibilität

Neben der räumlichen Flexibilität spielt vor allem auch der zeitliche Faktor eine Rolle. EIn Büro hat meistens “Öffnungszeiten”, die mehr oder weniger den allgemeinen Arbeitszeiten der Mitarbeiter entsprechen. Dadurch sind deine Arbeitszeiten quasi festgelegt. Wenn du remote arbeitest, kannst du oftmals freier über die Verteilung deiner Arbeitszeit entscheiden. Selbstverständlich kann dein Tagesplan genau so aussehen wie der eines normalen Arbeitnehmers. Muss er aber eben nicht. Wenn du dein Kind vom Kindergarten abholen, einkaufen oder zum Sport gehen möchtest, kannst du das in deinen täglichen Arbeitsplan integrieren. Das hängt natürlich auch etwas vom Arbeitgeber ab, doch in den meisten Fällen gibt es keine strikten Beschränkungen, sofern die Arbeit nicht stark von anderen Bürozeiten abhängig ist. Im Sales-Bereich kann es beispielsweise möglich sein, dass du während der gängigen Bürozeiten deiner potentiellen Kunden arbeiten musst.

Zeitersparnis

Ein weiterer angenehmer Faktor ist die Zeit, die du durch Remote Work sparen kannst. Dabei geht es vor allem um das tägliche Pendeln zum Büro und wieder nach Hause. Den maximalen Effekt erreichst du hier natürlich, wenn du von zuhause aus arbeitest. 

Komfort

Ein weiterer Vorteil von Remote Work ist, dass es äußerst bequem ist. Dadurch dass du nicht täglich in ein Büro fahren musst, hast du die Möglichkeit, deine Arbeitsumgebung nach deinen Wünschen und Bedürfnissen einzurichten. Das erfordert natürlich auch einiges an Selbstmanagement und -motivation. Zusätzlich ist es einfach sehr angenehm, arbeiten zu können, ohne viel über passende Kleidung, eine sitzende Frisur o. ä. nachdenken zu müssen. 

Nachteile von Remote Work

Neben all den Vorteilen, die Remote Work bietet, gibt es auch ein paar potentielle Nachteile, die ich dir nicht vorenthalten möchte.

Ablenkungen

Remote Work erfordert ein hohes Maß an Selbstmanagement und die Fähigkeit, seinen eigenen Tag allein zu strukturieren. Im Gegensatz zum normalen Büro gibt es allerdings deutlich mehr Ablenkungen, die die eigene Produktivität erheblich beeinflussen können. Zudem sorgt der Fakt, dass es oft niemand mitbekommt, wenn du prokrastinierst, dafür, dass die Folgen zunächst harmlos scheinen. Dennoch, wenn du also arbeitest, musst du in der Lage sein, kleinen Ablenkungen wiederstehen zu können.

Isolation und fehlende soziale Beziehungen

Wenn du remote arbeitest, wirst du mit deinen Kollegen meist nur via Video-Chat oder Slack kommunizieren. Das bedeutet also in den meisten Fällen, keine physisch anwesenden Kollegen zu haben. Vor allem für Personen, die es lieben, sich mit anderen Menschen direkt auszutauschen und für die Videokonferenzen keine wirkliche Alternative sind, könnte Remote Work daher ein Herausforderung sein. 

Meine Remote Work Erfahrungen

Ich arbeite seit 2017 remote und bin voll und ganz vom Konzept überzeugt. Hier sind 7 Learnings, die ich euch mitgeben kann.

Strukturiere deinen Tag

Zuallererst ist es unerlässlich, deinen eigenen Tag zu planen, da ein Remote Job oftmals sehr viel Unabhängigkeit und Selbstdisziplin erfordert. Ein klar geplanter Tag gibt dir eine solide Basis, um produktiv arbeiten zu können.

Möglicherweise hast du schon deine ganz eigene Taktik, um deinen Tag zu strukturieren. Falls nicht, könnte dir diese von Chet Holmes, dem Autor von “The Ultimate Sales Machine” gefallen:

  1. Erstelle täglich eine Liste mit deinen 6 wichtigsten Aufgaben
  2. Plane, wie lang jede Aufgabe dauern wird (6 Aufgaben à 1 Stunde sind ideal)
  3. Weise die Aufgaben den freien Zeitslots deines Tages zu
  4. Beginne damit, die Aufgaben abzuarbeiten

Investiere in deine Ausstattung

Es mag offensichtlich klingen, jedoch habe ich schon oft mit Leuten gearbeitet, die beispielsweise durch schlechtes Internet immer wieder mit Kommunikationsschwierigkeiten zu kämpfen haben. An zwei Dingen solltest du nicht sparen: deinem Computer und deinem Internet. Beides wird essentiell für deinen (zukünftigen) Remote Job sein und sollte daher fast schon als Investment betrachtet werden.

Um unterbrechungsfrei Videokonferenzen führen zu können, reicht manchmal schon eine 6.000er-Leitung, dennoch würde ich immer empfehlen, lieber 5 € mehr zu investieren und damit (wenn möglich) eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit freizuschalten. Beim PC solltest du darauf achten, dass du eine schnelle Festplatte (z. B. SSD), genügend Arbeitsspeicher (mindestens 8 GB) sowie einen vernünftigten Prozessor verbaut hast

Richte dir einen festen Arbeitsplatz ein

Remote Work klingt erst einmal nach Arbeiten am Strand. Auch wenn das möglich ist, wird dein normaler Arbeitsalltag wohl nicht so aussehen. Vielmehr solltest du dir einen festen Arbeitsplatz einrichten, an dem du ablenkungsfrei und produktiv arbeiten kannst. Das kann bei dir zuhause oder z. B. auch in einem Co-Working-Space sein.

Zu einem guten Arbeitsplatz gehören mindestens ein guter Schreibtisch sowie ein passender Bürostuhl. Die Versuchung, an beidem zu sparen, ist mir durchaus bekannt. Dennoch habe ich gemerkt, wie wichtig beide Utensilien sind, wenn man jeden Tag mehrere Stunden am Schreibtisch sitzt. Gerade beim Bürostuhl ergibt es auch durchaus Sinn, diesen vor Ort zu testen und dann ggf. im Internet zu kaufen.

Reduziere Ablenkungen

Remote arbeiten kann auch deshalb eine Herausforderung sein, weil man sich erziehen muss, trotz aller möglichen Ablenkungsquellen standhaft zu bleiben. Der Unterschied zum normalen Büroalltag ist, dass keine Kollegen im selben Büro sitzen und auch kein Chef ab und an mal über die Schulter schaut. Du musst dich also komplett selbst dazu anhalten, während deiner Arbeitszeit wirklich zu arbeiten.

Wenn du Ablenkungen minimieren möchtest, ist es zunächst wichtig zu wissen, für welche Art von Ablenkungen du anfällig bist. Ich finde mich beispielsweise oftmals viel zu schnell beim Lesen des 3. spannenden Blog-Artikels wieder, ohne dass ich gemerkt habe, wie viel Zeit schon vergangen ist. Deshalb habe ich mir eine Leseliste via Pocket erstellt, zu der ich mit einem Klick wichtige Artikel hinzufügen kann. Vielleicht ist es bei dir Facebook oder Instagram. In dem Fall könntest du diese Seiten während der Arbeitszeit blocken. Was es auch ist. Identifiziere das Problem und finde einen eleganten Weg, es aus der Welt zu schaffen. Schreibe mir gern in die Kommentare, was du machst, um Ablenkungen fern zu halten oder wobei du Hilfe benötigst.

Lerne Arbeit und Privatleben zu trennen

Die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben ist in meinen Augen im Remote Job noch einmal deutlich schwerer als im normalen Job. Der Grund dafür liegt in der oftmals fehlenden räumlichen Trennung zwischen Arbeitsplatz und Wohnung. Für mich war das in meiner Anfangszeit auch oftmals ein wirkliches Problem, da ich es nicht geschafft habe, wirklich aufzuhören zu arbeiten. Auch wenn ich es immer noch nicht perfekt beherrsche, bin ich besser darin geworden.

Mir hat auf jeden Fall geholfen, einen Wohnraum als Büro zu nutzen. In diesem Raum arbeite ich und in diesem Raum lasse ich meinen Laptop (und damit auch die Arbeit) nach Feierabend liegen. Außerdem hat es mir geholfen, meine Arbeitszeiten genauer zu tracken und aufzuhören, wenn ich meine tägliche Stundenanzahl geschafft habe. Wenn es mal 10 Minuten mehr werden, ist das kein Problem. Es geht einfach darum, ein besseres Bewusstsein für die eigene Arbeitszeit (und damit auch Produktivität) zu entwickeln.

Pflege dein Privatleben

Neben der fehlenden Trennung von Arbeits- und Privatleben geht es im nächsten Schritt auch darum, dein Privatleben zu pflegen. Es ist gut, wenn du ein Leben neben der Arbeit hast. Sorge dafür, dass es phänomenal ist, wobei du phänomenal natürlich selbst definieren kannst. Für den einen bedeutet das, jeden Tag nach der Arbeit ins Fitnesscenter zu gehen. Für den anderen ist es das wöchentliche gesellige Zusammensein mit Freunden.

Mir hat dabei geholfen, mir Dinge fest vorzunehmen und wir haben angefangen, am Sonntag einer jeden Woche die folgende Woche zu planen. In die Planung fließen dabei nicht nur berufliche sondern eben auch private Dinge wie z. B. einen Film schauen oder Sport machen. Dadurch plane ich mir eine spannende Woche und erziehe mich dazu, Dinge, die ich mir vornehme, auch wirklich durchzuziehen.

Wie kann ich 2019 einen Remote Job ergattern?

Leider gibt es erst wenige deutschsprachige Plattformen, die Remote Jobs anbieten. International sieht es da jedoch schon ganz anders aus. Wir haben eine Liste der 59 besten Jobbörsen für Remote Jobs zusammengestellt (u. a. mit bekannten Playern wie We Work Remotely oder RemoteOK, aber auch einigen interessanten Neulingen, die bisher nur wenige auf dem Schirm haben).

▶️ Mehr darüber erfahren: 59 Remote Job-Plattformen

Fazit

Bevor du in das Abenteuer Remote Work startest, solltest du für dich selbst klären, ob diese Arbeitsweise für dich passt. Selbstverständlich kann man einige Dinge nur schwer einschätzen, bevor man wirklich remote gearbeitet hat. Ausschlaggebend ist also vor allem deine Motivation, eigenbestimmt und selbstverantwortlich arbeiten zu wollen. Wenn du weitere Fragen hast, dann schreib sie einfach in die Kommentare. Ich helfe dir gern!

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